6 Tätigkeitsfelder


Im Rahmen der `Interdisziplinären System-Bildung` möchte ich den Begriff  `Lernlandschaft` verwenden, um die Bedeutung der Tätigkeitsfelder, so wie man sie bei Walgenbach findet, in Bezug auf die Praxis der ästhetischen Bildung zu beschreiben. Dabei ist mir bewusst, dass der Begriff zu diesem Zweck eine Definition benötigt, die für andere Zusammenhänge nicht immer tauglich sein wird.

Eine Lernlandschaft wird im Umfeld eines Lernmotivs entwickelt. Diese Motiv ist ein Ausgangsmotiv, ein Ursprung der Lerntätigkeit, das durch eine ästhetische Begegnung des Lernenden mit einem Objekt als Phänomen gefunden wird.
Ideale Motive zum Aufbau der Lernlandschaft sind Urphänomene und Urbilder. Aus diesen lassen sich Begriffspaare und Metaphern ableiten.
Beispiel `Fließen`, ein Phänomen, Urbilder: Welle, Wirbel, Woge, Spirale, Schnecke, Strudel, …usw.
Begriffspaar: Ordnung-Chaos,  Metapher: „“Das Fließen ist ein sensibles Chaos“.

Die Wahl des Begriffs Objekt wird hier bewusst getroffen, um zu zeigen, dass sich die Lernlandschaft in ihrem Werden besonders durch die Konstituierung einer Subjekt-Objekt Beziehung auszeichnet. Das bedeutet, die Zusammenstellungen der Gegebenheiten, der Möglichkeiten in einer Lernlandschaft sind nicht durch die Zuordnungen der Lerngegenstände zu Disziplinen bestimmt. Es gibt also keine Lernlandschaft mit der Zuordnung Physik-Lernlandschaft oder Sprachlernlandschaft.
Es gibt immer nur eine Lernlandschaft, die bestimmt ist durch das Interesse der Lernenden.

Dieses Interesse ist, die Begegnung mit dem Ausgangsmotiv zum Erlebnis und zur Erfahrung auszuweiten. Für dieses Ziel ist dem Lernenden  jedes Mittel recht.
Somit ist die Lernlandschaft mit den 6 Tätigkeitsfeldern grundlegend interdisziplinär.
Ein Beispiel ist der Spielbrunnen. (www.spielbrunnen.de) Der Brunnen selbst ist aber nicht das Ausgangsmotiv, der Ursprung der Lerntätigkeit. Das ist vielmehr das Phänomen des Fließens. Die Begegnung mit diesem Phänomen und die damit verbundene Faszination schafft das Motiv, den Antrieb, die Motivation zur weiteren Auseinandersetzung und ist gleichzeitig die erste Form der Tätigkeit.
Das erste Tätigkeitsfeld ist die voraussetzungslosen Konfrontation mit der Wahrnehmungen des Ausgangsphänomens.

Das zweite Tätigkeitsfeld ist die gestalterische Begegnung mit dem Phänomen. War im ersten Tätigkeitsfeld Inhalt und Form Form eine Einheit, so beginnt schon im Übergang zum zweiten eine Veränderung dieser Einheit. es sind Gestaltungsideen, die durch ihre Entfaltung Inhalt und Form trennen. Ein Beispiel zum Thema Fließen: ist man durch die Wahrnehmung eines Strömungsphänomens, einer Wirbelbildung fasziniert, kann der Wunsch entstehen, diese Erscheinung zu `bannen`, sie festzuhalten, als Form, die von der Bewegung getrennt ist, also nicht mehr die Einheit Fließen darstellt. Es entsteht eine Figur oder ein Bild, beeinflusst, inspiriert durch das Fließen.

Wurde im ersten Tätigkeitsfeld die Ganzheit erfahren und ein Interesse geweckt, so kann das Erleben des Interesses nur ein Eindringen in die Sache sein (inter-esse). Dieses Hineingehen mit einer Tätigkeit  in die Sache muss verändern. So dient alle Gestaltung der Auflösung und Wiedergewinnung dieser Ganzheit des Phänomens. Im letzten, dem 6. Tätigkeitsfeld wird Ganzheit zum Hauptanliegen, daher erhält dieses Tätigkeitsfeld die Überschrift: `Gewinnung einer konkreten Utopie´

Das Dritte Tätigkeitsfeld wird dadurch gewonnnen, dass die Zusammensetzung der Einheit aus wechselwirkenden Teilen entdeckt und erforscht werden kann. Teile und ihre Beziehungen werden wichtig. War im zweiten Tätigkeitsfeld eine ästhetisch-künstlerische Gestaltungsebene vorherrschend, so ist hier die Grenze zwischen der Kunst und der Naturwissenschaft nicht mehr klar zu ziehen.
Gewinnt man aus der Schönheit eines Bachlaufes neue Formen, so sind es nun die Strukturen die durch die Gestalterin, dem Gestalter bestimmt werden, um das Aufeinanderwirken der Formen auch gestalten zu können.
Wenn man bestimmen will, das die eigene Gestaltung die Faszination des Fließens weiterträgt, muss man sich bestimmen lassen: vom Ursprungsphänomen des Lernprozesses.
Was bestimmt uns im Erlebnis des Fließens? das Flüssige, das Wasser, der Bach? Das Licht und seine Reflexionen auf dem bewegtem Wasser, der Klang, der das Fließen begleitet, die Form des Ufers, man kann viel aufzählen, um die wirksamen Teile zu benennen.  Interessieren wir uns für Zusammenhänge, dann führt unser ästhetisches Interesse zu Beziehungen die auch mit Begriffen der Biologie oder Physik benanntwerden können. Wir interessieren uns beim Erlebnis `Fließen` für interdisziplinäre Strukturen.

Das vierte Tätigkeitsfeld ist die Konzentration auf einen Punkt. Die Zusammensetzung der Teile und ihrer Beziehungen können hier neu bestimmt werden.